Politik & Gesellschaft

Do
24.10.2019

19 Uhr
Einlass 18 Uhr
Studio

Eintritt frei

In dieser Veranstaltung wollen wir zunächst die historischen Wurzeln des skandinavischen Wohlfahrtsstaats am Beispiel des 'schwedischen Modells' von den emanzipatorischen Kämpfen der Arbeiter- und Frauenbewegung der 20er Jahre bis zum Burgfrieden von Arbeitgeber- und -nehmer*innen (liberaler Korporatismus) im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs zurückverfolgen. Nirgendwo sonst ist heute der Unterschied zwischen den Geschlechtern bei Bezahlung und Beschäftigungsquote so gering wie in Nordeuropa. Kinder sind nicht unbedingt ein Hindernis, dass beide Elternteile im Beruf vorankommen.

Gemeinwohlorientierte Politik war in Schweden und anderen nordischen Ländern ein Erfolgsmodell bis zur neoliberalen Wende Mitte der 90er Jahre (schwedische Bankenkrise, EU-Beitritt Schwedens und Finnlands). Skandinavien wird immer noch häufig mit sozialer Gerechtigkeit und Freiheit assoziiert, doch die Wahlergebnisse der letzten Jahre zeichnen überwiegend ein anderes Bild. Ist die egalitäre Gesellschaftsform Geschichte? In den Parlamenten hat sich ein Rechtsruck bemerkbar gemacht und es breitet sich eine militante Kameradschaft aus, deren Mitglieder zahlreiche Angriffe, Bombenanschläge und Morde zugerechnet werden. Wir sehen uns heute mit einer politischen Krise in den skandinavischen Ländern konfrontiert. Welche Zusammenhänge gibt es zwischen der Erosion wohlfahrtsstaatlicher Politik und dem erstarkenden Rechtsextremismus?

Dr. Ulrich Schröder (* 1968), der 2007 im Fach Skandinavistik an der Ruhr-Uni Bochum promovierte, wird Schweden und Dänemark anhand aktueller Wahlergebnisse vergleichen sowie einen Blick auf die Eskalation rechtsterroristischer Gewalt in Norwegen im Juli 2011 und den aktuellen Anschlag auf Al-Noor-Moschee in Baerum werfen; außerdem wird er einen Ausblick auf die gegenwärtige mediale Debatte um Schweden als über die Landesgrenzen hinaus wirkendes vermeintliches Zentrum für Rechtsterrorismus geben.

Anschließend wollen wir diskutieren:
Was ist noch über vom skandinavischen Wohlfahrtsstaatsmodell? Wie können Gleichstellungs- und Bildungspolitik dort als positive Beispiele für allgemeinwohlorientierte Politik gelten und pragmatische Impulse für eine progressive Politik geben? Was können wir heute (noch) von Skandinavien lernen?

Veranstalter*innen: Rosa-Luxemburg-Club