Wort & Bühne

So
28.02.2021

21.15 Uhr
online

Eintritt frei

• FÜR DAS BESTMÖGLICHE ERLEBNIS WÄRE ES GUT, WENN IHR DIE AKTUELLSTE VERSION VON ZOOM INSTALLIERT HABT, DA DORT EINIGE ANZEIGEVARIANTEN MÖGLICH SIND, DIE WIR NUTZEN WOLLEN. Wenn ihr diese nicht installiert habt, könnt ihr aber natürlich trotzdem die Veranstaltung ansehen •

Mit dem Performance-Projekt „Ein Raum, viele Leben“ wollen wir nicht nur sprichwörtlich Räume für Menschen und verschiedene Lebenswelten schaffen, wir haben einen realen Raum gebaut, und die verschiedensten Menschen zu uns eingeladen.

Moderation: Hannibal Kayali
Sidekick: Caro Baum
Dramaturgie: Christine Brinkmann
Regie: Alexander Steindorf
Videobeiträge: Cornelius Schaper
Ton- & Medientechnik: Finn Fox
Gast #4: Ray Boom

Hannibal: Als ich 6 Jahre alt war und in Syrien zur Schule ging, stand ich morgens auf, sang in der Schule beim Appell die Nationalhymne, grüßte „unseren“ Führer, die Partei und das Land und wünschte ein sozialistisches Leben für alle Völker der Welt. Gleichzeitig verfluchten wir die Juden und Israel. Die Mörder, die Landräuber. Doch ich muss gestehen, ich habe in Syrien nie einen Juden getroffen. Sie sind nach Israel gegangen oder in andere jüdische Diasporas. Waren wir vielleicht ein Grund dafür?

Als ich das erste mal in meinem Leben einen Juden kennengelernt habe, da musste ich feststellen, er war wie ich. Er dachte wie ich über die jeweiligen Regierungen, er aß Hummus und Falafel, trank Arak. Er war sogar Halal, wie ich.

Warum also hassen sich die Juden und Muslime sogar bei uns in Düsseldorf so sehr. Niemand klaut hier voneinander, niemand greift den Anderen an. Hier gibt es keine Mauer, die die Menschen voneinander trennen. Keine Straßenpatrouillien, die nur wegen Religion Menschen anhalten. Niemand schmeißt Steine aufeinander. Wir alle befinden uns unter dem Schirm der Gesellschaft. Gleichzeit erstarken rechte Parteien in aller Welt. Faschistische Tendenzen treten auf. Nazis greifen Juden und Muslime an, denn für sie gehört keiner der beiden Gruppen dazu.

Das Künstler:innen Kollektiv hat es sich zur Aufgabe gemacht Menschen unter einem Dach zusammen zu bringen. Kulturen zu vermitteln, auch wenn sie andere Namen haben. In Zeiten in denen versucht wird Juden und Muslime beide auszuschließen aus der Gesellschaft, müssen sie näher zusammenrücken. Differenzen überwinden. Ängste und Hass hinter sich lassen und den Anderen kennenlernen und schätzen lernen.

Aus diesen Gedanken heraus entstand bei uns das Projekt der Late-Night-Show. Wir haben Künstlerinnen und Künstler zu uns eingeladen, um mit uns, über ihren Alltag, ihre Kunst und ihre Erfahrungen zu sprechen, die sie durch Flucht oder Migration gemacht haben.

Weiße Wände, weiße Stühle - nicht mehr und nicht weniger stellen wir den Menschen zur Verfügung, die zu uns kommen und mit uns gemeinsam einen Tag aus ihrem Leben erzählen. Wer sind sie, wo kommen sie her, wo wollen sie hin? Gemeinsam haben wir den Raum mit verschiedensten Geschichten und Erlebnissen gefüllt, mit Gegenständen, die den Personen was bedeuten und die ihren Alltag bestimmen.

Herausgekommen ist eine online Veranstaltungsreihe, in der wir die einzelnen Künstlerinnen und Künstler kennenlernen dürfen, durch Gespräche, Musik, Tanz. Wir sprechen darüber, wie es war nach Deutschland zu kommen, wie sie zur Kunst gekommen sind und was sie morgens zum Frühstück essen.

https://us02web.zoom.us/j/86911205036?pwd=cEZJc1Q2akN3OXpYdW94Z2VlQk1kQT09

Veranstalter*innen: Kollektiv "Ein Raum - viele Leben". In Kooperation mit dem zakk. Mit freundlicher Unterstützung NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste und dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft (Land NRW).